Die Untersuchungen (Diagnostik)
Die Ultraschalluntersuchung (Sonographie)
Zur in vivo-Diagnostik gehören zwei wichtige Verfahren: die Ultraschalluntersuchung und die Szintigraphie der Schilddrüse.
Eine Schilddrüsenuntersuchung ohne Sonographie wäre unvollständig. Eine Holperfahrt in die Diagnostik und eventuell auch in die Therapie wäre vorprogrammiert.
Kurz zum Untersuchungsgang:
Der Arzt gibt Kontaktgel auf Ihren Hals und fährt dann sanft mit dem
Schallkopf des Sonographiegerätes über die Schilddrüsenregion,
welche auf einem Monitor sichtbar wird. Größe der Schilddrüse,
eines Knotens oder einer Zyste lassen sich mit der geeigneten Software ausmessen.
Beide Schilddrüsenlappen werden in standardisiertem Quer- und Längsschnitt
abfotografiert. Oft werden zusätzliche Bilder dokumentiert. Die Untersuchung
– im Liegen oder Sitzen - nimmt wenige Minuten in Anspruch.
Nur Vorteile der Ultraschalluntersuchung – keine Nachteile
Die Sonographie
hat nur Vorteile und keinerlei Nachteile.
Der Schallkopf sendet Schallwellen (für uns nicht hörbare Frequenz,
daher Ultra-Schall) aus, die an den unterschiedlichen Gewebsstrukturen reflektiert
werden (Echo). Die Sonographie ist mit keinerlei Strahlenexposition verbunden
Es treten auch keinerlei andere schädliche Nebenwirkungen auf (und wird
aus diesem Grunde bekanntlich auch in der Schwangerschaft eingesetzt).
Die Sonographie der Schilddrüse zeigt Größe, Form und Struktur
der Schilddrüse.
Als maximales noch normales Volumen der Schilddrüse gilt:
| Alter (in Jahren) | Volumen in ml |
| Neugeborenes | 1 |
| 1-3 | bis 3 |
| 4-5 | bis 4 |
| 6-10 | bis 8 |
| 11-14 | bis 10 |
| 15-17 | bis 15 |
| Frauen | bis 18 |
| Männer | bis 25 |
Das normale Schilddrüsenvolumen ist von Alter, Geschlecht und Gewicht
abhängig.
Krankhafte Prozesse
können die gesamte Schilddrüse oder auch nur umschriebene Areale
(Knoten) betreffen. Ist der Knoten beispielsweise eine Zyste, zeigt das Sonogramm
ein schwarzes (echoleeres) Areal mit einem darunter sichtbaren sehr hellen
Schallschatten.
Ist ein Knoten unscharf begrenzt und zeigt eine teils echoarme, teils echoreiche Struktur (echokomplex), kann es sich – selten - um Schilddrüsenkrebs handeln.
Aufgrund der Ultraschalluntersuchung allein lässt sich eine exakte Diagnose mitunter nicht stellen. So zeigen Morbus Basedow und Hashimoto-Thyreoiditis in bestimmten Stadien eine zum Verwechseln ähnliche diffuse Echoarmut (sehr dunkel erscheinendes Gewebe). Knoten müssen immer zusätzlich mit einem Szintigramm abgeklärt werden. In Zweifelsfällen ist auch eine Feinnadelpunktion des Knotens erforderlich. Bei der Jodmangel-Struma des Jugendlichen ist die Sonographie fast immer ausreichend für den Einblick in die Gewebsstruktur der Schilddrüse.
In den letzten
Jahren wurde die farbkodierte Dopplersonographie
der Schilddrüse entwickelt, womit eine Beurteilung der Durchblutung des
Schilddrüsengewebes bzw. von Knoten möglich ist.
Feinnadelpunktion und Zytologie
Ergibt die Ultraschalluntersuchung einen verdächtigern
Befund, kann eine Punktion der Schilddrüse erforderlich werden. Kein
Grund zur Sorge. Die Feinnadelpunktion ist gewöhnlich nicht schlimmer
als eine Blutentnahme aus einer Vene.
Der Stich in die Schilddrüse erfolgt - in liegender Position - mit einer
sehr feinen Nadel („Feinnadelpunktion“) Nach Desinfektion der
Punktionsstelle fordert er Sie zum mehrmaligen Schlucken auf - bis Sie nicht
mehr können. Damit unterbleibt ein nervöser Schluckakt, bei dem
sich ein Knoten bewegt. Meist unter Ultraschallkontrolle sticht der Arzt fächerförmig
in den Knoten, dabei kräftig an der Spritze ziehend, um genügend
Zellmaterial zu aspirieren.
Schon nach wenigen Sekunden ist die Prozedur erledigt, und Sie brauchen die
Einstichstelle nur noch kurz abzudrücken, wie nach einer Blutabnahme.
Die zytologische
Untersuchung (Zytologie: Zellkunde) durch einen versierten Pathologen ist
organisatorisch etwas aufwändiger. Es braucht ein paar Tage, bis das
Ergebnis bei Ihrem Arzt eintrifft.
Wann
ist eine Feinnadelpunktion nötig?
Mögliche Indikationen sind:
Treffsicherheit: Sensitivität bei 75%, Spezifität
bei 95%.
Je erfahrener der Arzt, umso gelassener wird er auf eine Punktion verzichten
können nach der Devise „Jeder Stich ist eine Körperverletzung“.
Bei Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom ist die Feinnadelpunktion unerlässlich.
Beschreibt der Zytologe eine „follikuläre Neoplasie“ oder „onkozytäre Neoplasie“, ist zur wirklich sicheren Abklärung die histologische (feingewebliche) Untersuchung, das heisst die Operation nicht zu umgehen.
Vorteile der Feinnadelpunktion
Nachteile der Feinnadelpunktion
Die Schilddrüsenszintigraphie
Indikationen:
Kontraindikationen:
Die Jodatome in unserem Körper werden ausschließlich
zur Synthese von Schilddrüsenhormonen verwendet. Über den Blutweg
gelangen die „Bausteine“ (Jodatome) in die "Fabrik"
(Schilddrüse).
An diesem Punkt setzt das raffinierte Prinzip der Szintigraphie ein:
Unter die Massen der auf dem Weg zur Schilddrüse befindlichen Jodatome
mischt man ganz wenige radioaktive Jodatome (Isotope). Diese Jod-Isoptope
"benehmen" sich biochemisch identisch wie die nicht-radioaktiven
Isotope, senden jedoch gut messbare Strahlung aus und fungieren so als "Stoffwechselspione".
Über ihre Strahlung signalisieren sie ihren Aufenthaltsort, so dass mit
Hilfe einer Gammakamera (weil Gammastrahlen = Lichtquanten registriert werden)
ein Bild (Szintigramm) der Schilddrüse entsteht. (Aus dem Griechischen:
Szinti = Lichtblitz).
Damit wird nicht
nur die Größe der Schilddrüse sichtbar, sondern auch die Funktion.
Ist die Funktion in der gesamten Schilddrüse oder nur in einer Abteilung
der Fabrik (Knoten) gesteigert, werden neben den normalen Jodatomen auch die
radioaktiven Spione vermehrt angerafft. Im Falle eines Knotens redet man dann
von einem heißen Knoten.
Das früher verwendete Jod-131 ist in der Routine schon seit Jahrzehnten
durch einen Stoff ersetzt, der nur einen Bruchteil an Strahlenexposition bewirkt:
99mTc-Pertechnetat
Fast ausschließlich wird heute die Schilddrüsenszintigraphie mit
dem radioaktiven Isotop Technetium-99m (abgekürzt 99mTc)
durchgeführt, genauer mit der chemischen Verbindung Technetium-99m-Pertechnetat
(= 99mTc-O4 ).
Das klappt nur deswegen, weil dieses Molekül eine ähnliche Ionengrösse
wie die Jodisotope Größe besitzt. Es wird wie Jodatome von der
Schilddrüse angerafft (Trappingmechanismus: von engl. trap = Falle),
indes nicht wie Jodatome in der Schilddrüse weiter in die Hormonsynthese
eingeschleust.
Für szintigraphische Zwecke reicht die Verwendung von 99mTc-O4
aus, für Funktionsstudien vor einer Radiojodtherapie benötigt man
Jod-131 als Testsubstanz..
Mit Technetium-99m wird übrigens die Mehrzahl aller nuklearmedizinischen
Untersuchungen durchgeführt. Gründe: eine für die Szintigraphie
günstige Gammastrahlung, kurze physikalischen Halbwertzeit von nur 6
Stunden, daher sehr niedrige Strahlenexposition. (Nur der Vollständigkeit
halber: Bei der Injektion von 37 Megabecquerel (37 MBq = 1 Millicurie (mCi)
99mTc ergibt sich eine Strahlenbelastung von 0,39 cGy
(rad) als Schilddrüsendosis bzw. von 0,41 mSv als "effektive Äquivalentdosis".)
Die Strahlenexposition durch die Szintigraphie ist - im Vergleich zur natürlichen
Strahlenbelastung - derart gering, dass sie vernachlässigbar ist. Dies
gilt umso mehr, da ohne Szintigraphie in nicht wenigen Fällen eine exakte
Diagnosestellung und somit die richtige Therapie unterbleiben könnte.
Wie läuft
die Schilddrüsenszintigraphie ab?
99mTc-Pertechnetat wird in eine Armvene injiziert, meist
verbunden mit gleichzeitiger Blutentnahme zur Bestimmung der Schilddrüsen-Laborwerte.
Etwa 15 bis 25 Minuten später ist der optimale Zeitpunkt zur Szintigraphie,
die meist in sitzender Position durchgeführt wird. Während der Aufnahme
an der Gammakamera sollen Sie möglichst unbeweglich bleiben, damit das
Szintigramm nicht verwackelt.
Was zeigt
das Schilddrüsenszintigramm?
Das Szintigramm wird im Maßstab 1:1 aufgezeichnet, so dass die Schilddrüsengröße
genau der Größe Ihrer Schilddrüse entspricht. Wichtiger ist
es, das Szintigramm als sogenanntes Funktionstopogramm zu begreifen. (griech.
"topos" = Ort), d. h. das Szintigramm ist ein Bild, das in der Schilddrüse
Orte vermehrter oder verminderter Stoffwechselaktivität anzeigt. Bedeutsam
ist diese bildhafte Information beispielsweise bei der Diagnostik der funktionellen
Schilddrüsenautonomie.
Der TcTU
Das mit der Gammakamera verbundene Rechnersystem liefert eine weitere Information:
die prozentuale Aufnahme (Aufnahme: engl. "uptake") des 99mTc-Pertechnetat
in die Schilddrüse. Diese gemessene Größe heißt in der
Fachsprache "Thyreoidale Pertechnetataufnahme" oder 99mTc-Thyreoidea-Uptake,
abgekürzt TcTU. Dieser sehr wichtige Begriff wird mit
jedem Szintigramm ausgedruckt und wird in Arztbriefen mitgeteilt.
Der TcTU wird als Äquivalent für die „Jodidclearance“
bezeichnet. Ein hoher TcTU bedeutet, dass von der Schilddrüse viel Jod
aus dem Blutplasma herausgezogen und im Organ angereichert wird, etwa bei
Jodmangel oder Schilddrüsenüberfunktion. Einen niedrigen TcTU findet
man bei ausreichender Jodversorgung oder weil der Stimulus der Hirnanhangsdrüse
zur Jodaufnahme unterdrückt ist. Zur richtigen Interpretation benötigt
der Nuklearmediziner u.a. Angaben, ob der Patient schilddrüsenwirksame
Medikamente eingenommen oder jodhaltiges Kontrastmittel erhalten hat.
Der basale TcTU liegt bei einer ausreichend mit Jod versorgten Schilddrüse
im Bereich von 0,5-2%. In Jodmangelgebieten kann ein Wert von 2-8% erreicht
werden.
Der Suppressionstest
Bei Verdacht auf autonome Areale in der Schilddrüse ist eine Wiederholung der Untersuchung (Szintigraphie und TcTU) nach Einnahme von Schilddrüsenhormonen unverzichtbar. So wird die Intaktheit des Regelkreises geprüft. Dieses Verfahren nach genau vereinbarter Einnahme von Schilddrüsenhormonen nennt man "Suppressionstest".
Zeitpunkt, Art und Menge der Tabletteneinnahme werden von Arzt zu Arzt unterschiedlich empfohlen. Folgende Schemata sind gängig:
Was passiert
beim Suppressionstest?
Durch entsprechende Gabe von Schilddrüsenhormonen wird über den
Blutweg der Hypophyse mitgeteilt, dass genügend oder gar zuviel Schilddrüsenhormon
im Körper vorhanden ist. Bei normal funktionierendem Regelkreis
führt dies zur Unterdrückung (Suppression) der Hypophysenaktivität,
d.h. die Hypophyse verringert die TSH-Ausschüttung und damit auch die
TSH- abhängige Aufnahme von 99mTc in die Schilddrüse
(Maß dafür: TcTU).
Bei intaktem Regelkreis wird im Vergleich zum Ausgangswert (TcTU der Voruntersuchung) ein deutlich erniedrigter TcTUsupp gemessen: "positiver Suppressionstest."
Bei funktioneller Schilddrüsenautonomie ist der TcTU im Vergleich zum Ausgangswert unzureichend erniedrigt: "negativer Suppressionstest".
Das Kriterium für Positiv/Negativ ist nicht allgemeinverbindlich
definiert, da die Autonomie ein graduelles Phänomen ist. Jeder Nuklearmediziner
muss seine eigenen Normwerte bestimmen, die aufgrund unterschiedlichen Ausmaßes
des jeweiligen Jodmangels in der Region variieren können.
Die Normwerte bewegen sich in etwa im Bereich von 0,5-2%.
Bei Werten >2% ist meist eine funktionell relevante Autonomie anzunehmen.
Der Suppressionstest
verbietet sich, wenn das basale TSH schon ohne Einnahme von Schilddrüsenhormonen
erniedrigt ist (TSH < 0,1 mU/l).
Zusätzliche Untersuchungen
Manchmal sind über die bisher aufgeführten Untersuchungen hinaus weitere diagnostische Verfahren erforderlich:
Röntgen:
Die Tracheazielaufnahme und der Oesophagusbreischluck dokumentieren
eine Verdrängung und evtl. Einengung der Luftröhre (Trachea) bzw.
der Speiseröhre (Ösophagus). Ein Preß- und Saugversuch
unter Durchleuchtung gibt Aufschluss über eine evtl. Wandinstabilität
der Luftröhre.
Die Thoraxübersichtsaufnahme (Röntgenaufnahme des Brustraums) ist angezeigt bei der Aufdeckung von in den Brustkorb hineinwachsenden (retrosternalen oder intrathorakalen) Strumaanteilen und auch zur Entdeckung von Lungenmetastasen bei Schilddrüsenkarzinom.
Die Computertomographie der Schilddrüse bietet entscheidende Vorteile bei der Beurteilung von Schilddrüsenkarzinomen (CT ohne jodhaltige Kontrastmittel!).
Die Computertomographie der Orbitae (Augenhöhlen) kann bei der endokrinen Orbitopathie wertvoll sein.
Zunehmend wird die CT von der Kernpintomographie (Synonyme: MRT = Magnet-Resonanz-Tomographie) abgelöst, da MR ohne Strahlenbelastung der Augenlinse ist.
Alternativ ist
die Sonographie der Orbitae manchmal ausreichend .
Vorteil: billig. Nachteil: Nicht alle Augenmuskeln lassen sich befriedigend
erfassen.
Die Szintigraphie mit Thallium-201 oder 99mTc-MIBI zeigt eine Anreicherung in bösartigem Schilddrüsengewebe. Allerdings wird lediglich unspezifisch eine vermehrte Proliferation (Wachstum) angezeigt. Wenn im 99mTc-Szintigramm ein Knoten „kalt“ ist, im Thallium-201- oder 99mTc-MIBI -Szintigramm aber „heiß“, besteht der Verdacht auf ein Schilddrüsenkarzinom.
Die Positronenemissionstomographie (PET) hat Bedeutung bei speziellen Problemen in der Nachsorge von Schilddrüsenkarzinomen.