Therapie

Medikamentös Operatin Radiojodtherapie

 

Medikamentöse Therapie

Die Medikamente, welche die Schilddrüsenfunktion beeinflussen, lassen sich grob in zwei Kategorien einteilen: Mit den einen Präparaten "gibt man Gas" (z. B. mit Schilddrüsenhormonen bei der Unterfunktion), mit den anderen "tritt man auf die Bremse" (z.B. mit "Thyreostatika" bei Schilddrüsenüberfunktion).

Die Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen

Die Substitutionstherapie (Substitution = Ersatz eines Mangels) basiert auf folgender Vorstellung:
Eine verminderte Produktion von T3 und T4 wird über den Blutkreislauf dem „Aufseher“ (Hirnanhangsdrüse) der Fabrik (Schilddrüse) mitgeteilt. Konsequenz: Die Hirnanhangsdrüse schüttet vermehrt TSH aus (Regelkreis). Fehlt jedoch der Rohstoff (Jod) für die Produktion oder ist die Fabrik weitgehend zerstört (Hashimoto-Thyreoiditis), bleibt die Stimulation ohne befriedigendes Ergebnis.
Somit bleibt nur die Möglichkeit, das im Körper fehlende Fertigprodukt (Schilddrüsenhormone) zu ersetzen. Tatsächlich kann der „Aufseher“ nicht unterscheiden, ob das von ihm registrierte Hormon aus der eigenen Schilddrüse oder aus der Apotheke stammt. Die TSH-Ausschüttung wird
Zurückgefahren; und damit ist die Vergrösserung des Kropfes gestoppt.

Therapie mit Levothyroxin (L-Thyroxin)

Früher erhielt der Patient Mischpräparate aus sowohl T3 als auch T4. Da aber die Körperzellen das im Blut kreisende Tetrajodthyronin (Thyroxin, T4) durch Abspalten eines Jodatoms ihrem Bedarf entsprechend in T3 umwandeln, gibt man heute der Therapie mit reinem T4 (Thyroxin) den Vorzug. Mit richtig dosierter Einnahme von Thyroxin findet sich eine normale Konzentration von T3 und T4 im Blut.

In den letzten Jahren hat man sich angewöhnt, im Rahmen der Schilddrüsenhormontherapie von „Levothyroxin“ zu sprechen. Daher wollen wir uns hier diesem Sprachgebrauch anschließen. (Also adieu, du kurzes "T4"!)

Handelsübliche, bei der Substitutionstherapie angewendete reine Levothyroxin-Präparate (die Zahlen entsprechen der jeweiligen Dosierung in µg) sind in alphabetischer Reihenfolge:

· Berlthyrox 50, 100, 150
· Eferox 25, 50, 100, 150
· Euthyrox 25, 50, 75, 100, 125, 150, 175, 200, 300
· L-Thyroxin 25, 50, 75, 100, 125, 150, 200 Henning
· L-Thyroxin depot Henning
· Thevier 50, 100

Beginn und Dauer der Therapie mit Levothyroxin (L-Thyroxin):

Man beginnt mit einer einschleichenden Dosierung etwa 8 bis 14 Tage lang.
Dann steigert man die Dosis in mehrwöchigen Abständen je nach Verträglichkeit bis zur gewünschten Erhaltungsdosis.
Die euthyreote Struma benötigt gewöhnlich eine mittlere Dosis von etwa 100 bis 150 µg Levothyroxin täglich. Wegen der biologisch langen Halbwertzeit braucht Levothyroxin nicht auf mehrere Einzeldosen am Tag verteilt werden; es reicht eine einmalige Einnahme eine halbe Stunde vor dem Frühstück.

Sehr wichtig ist die regelmäßige, langfristige Tabletteneinnahme! Dies wird vielleicht an folgendem Beispiel anschaulich:

Stellen Sie sich vor, Ihnen würde zugemutet, jeden Tag einen schweren Sack Kartoffeln einen Kilometer weit zu schleppen. Das geht über Ihre Kräfte, und daher erhalten Sie eine Schubkarre. Damit spüren Sie Ihre Schwäche nicht mehr und lassen die Schubkarre weg. Fehler! Denn nun kehren die gleichen massiven Beschwerden wie zuvor zurück ("Rezidiv"). Das Bild lässt sich auf die Substitutionstherapie (= Schubkarre) bei euthyreoter Struma übertragen.

Etwa 1 bis 2 Jahre nach erfolgreicher Therapie wird Levothyroxin oft abgesetzt ("Auslassversuch") und auf die Einnahme von Jod als "Rezidivprophylaxe" gewechselt. Kommst es darunter dennoch zu einem Rezidiv, muss die Schubkarre (Levothyroxin) wieder her. Ursache für das Scheitern kann eine Jodfehlverwertung sein: Gewisse Enzymdefekte verhindern, dass die Schilddrüse mit Jod das Endprodukt L-Thyroxin bildet.

Was leistet die Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen?
Das hängt vom Ausgangsbefund ab. Eine derbe Knotenstruma ist kaum noch zu verkleinern. Als Erfolg zu werten ist ein Stop des Strumawachstums.
Bei nicht knotig veränderten ("diffusen") Strumen junger Menschen lässt sich eine Volumenreduktion um 30 bis 40 % erreichen.
Der Haupteffekt der Therapie ist im ersten halben Jahr zu erwarten - bei optimaler Dosis. Nach zwei Jahren ist mit einer weiteren Strumaverkleinerung nicht mehr zu rechnen.
Sollte man also die Therapie mit Levothyroxin auf eine maximale Dauer von 2 Jahren beschränken? Nur..., was dann? (Siehe obiges Beispiel mit der Schubkarre.)

Indikationen der Therapie mit Levothyroxin (L-Thyroxin)

Die Substitutionstherapie mit Levothyroxin wird bei zahlreichen Schilddrüsenerkrankungen angewendet, z.B. bei allen Formen der Jodmangelstruma (endemischer Kropf), Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose), Schilddrüsenentzündung, in einer bestimmten Phase der Behandlung einer Überfunktion, als Rezidivvorbeugung nach Operation und Radiojodtherapie.

Nebenwirkungen der Levothyroxin-Präparate:

Bei Überschreiten der erforderlichen Dosis entsteht die "Hyperthyreosis factitia" (künstlich fabrizierte Schilddrüsenüberfunktion). Es können Symptome auftreten wie Herzrasen ("Tachykardie"), Schwitzen, vermehrte Unruhe und Durchfall. Reduktion der Dosis oder (vorübergehendes) Absetzen der Therapie beseitigt die Beschwerden.

Osteoporose?
Seit einigen Jahren ist der Verdacht aufgekommen, dass eine langfristige Einnahme von Schilddrüsenhormonen die Entstehung einer Osteoporose bei Frauen im Klimakterium begünstigt. Die Untersuchungen (Knochendichtemessungen) sind indes widersprüchlich.

Vorläufiges Fazit:
· Für Frauen vor der Menopause besteht kein Zusammenhang zwischen Levothyroxin-Einnahme und Osteoporose.
· Frauen nach der Menopause sollten mit der Levothyroxin-Dosis so eingestellt werden, dass der basale TSH-Spiegel nicht voll unterdrückt (supprimiert) ist.
· Ausnahme: Bei Schilddrüsenkarzinom ist eine TSH-suppressive Dosierung zwingend erforderlich.

Kontraindikationen:
Vor allem bei bestimmten Herzerkrankungen ist die Therapie mit Levothyroxin untersagt.


Levothyroxin und Schwangerschaft:

Bis auf wenige Ausnahmen sind in der Schwangerschaft alle Medikamente verboten, Zu diesen Ausnahmen zählt Levothyroxin, denn es handelt sich hierbei ja eigentlich nicht um ein "Medikament" im Sinne einer Fremdsubstanz, sondern um ein absolut naturidentisches Produkt. Jede Schnitte Brot ist vergleichsweise ein Alien. In der Schwangerschaft würde ein fortbestehender Schilddrüsenhormonmangel dem Embryo bzw. Feten schaden. Daher ist Levothyroxin in der Schwangerschaft unbedingt weiter einzunehmen!

Reine Liothyronin (L-Trijodthyronin) – Präparate

Reine Trijodthyronin-Präparate (exakt: Liothyronin; kurz: L-T3), z.B. "Thybon 20 Henning“, Thybon 100 Henning" oder Trijodthyronin BC 50 bleiben speziellen Problemen vorbehalten: z.B. beim Suppressionstest oder im Rahmen der Radiojodbehandlung von Schilddrüsenkarzinomen.

Die Therapie mit Jodid

Die häufigste Schilddrüsenkrankheit ist die Jodmangelstruma ("endemischer Kropf". Somit kommt dem Element Jod in der Therapie eine besondere Bedeutung zu. Alternativ zur Therapie mit Schilddrüsenhormonen - insbesondere bei Kindern und jungen Erwachsenen – ist eine Behandlung bzw. Prophylaxe mit 150 bis 200 µg Jodid ausreichend. Man kann bei ähnlicher Wirksamkeit 200 µg Jod pro Tag oder 1,5 mg pro Woche (als Einzeldosis) einnehmen. Bei diesen Altersgruppen gelingt eine Strumaverkleinerung um ca. 30 bis 40 %..


Jod-Präparate:

· Jodetten 100 Henning (100 µg Jod)
· Jodetten 200 Henning (200 µg Jod)
· Jodetten depot Henning (1,5 mg Jod)
· Jodid 100 (100 µg Jod)
· Kaliumjodid BC 200 (200 µg Jod)
· Mikroplex Jod (100 ml Lösung enthält 1,2 mg Jod)
· Strumex (100 µg Jod)


Indikationen:

Therapie und Prophylaxe (Vorbeugung) der Jodmangelstruma durch Deckung des Jodbedarfs vor allem bei Jugendlichen und in der Schwangerschaft.


Kontraindikationen:

Schilddrüsenautonomie, Hyperthyreose, Jodallergie.
Bei einer latenten (noch verborgenen) Hyperthyreose kann Jod eine manifeste Überfunktion auslösen.

Kombinationspräparate

In einigen Präparaten wird Levothyroxin mit Liothyronin (L-T3) oder mit Jod kombiniert.

Levothyroxin (LT4) plus Liothyronin (LT3):
Den Präparaten, die aus einer Kombination aus Levothyroxin und Liothyronin bestehen, kommt üblicherweise nur noch in Ausnahmefällen („Konversionsschwäche“) eine Bedeutung zu.
In letzter Zeit werden diese Präparate zunehmend bei der Hashimoto-Thyreoiditis eingesetzt. So hat sich in einer aktuellen amerikanischen Studie gezeigt, dass mit einem solchen Kombinationspräparat Beschwerden wie Müdigkeit, Depressionsneigung und Aufbrausen gegenüber einer reinen Levothyroxintherapie signifikant gebessert wurden.

· Novothyral (100 µg Levothyroxin plus 20 µg Liothyronin)
· Novothyral 75 ( 75 µg Levothyroxin plus 15 µg Liothyronin)
· Novothyral mite ( 25 µg Levothyroxin plus 5 µg Liothyronin)
· Prothyrid (100 µg Levothyroxin plus 10 µg Liothyronin)
· Thyroxin-T3 "Henning" (100 µg Levothyroxin plus 20 µg Liothyronin)

Kombinierte Therapie mit Levothyroxin und Jodid

In den letzten Jahren hat eine kombinierte Therapie mit Levothyroxin und Jodid die Therapie mit reinem Levothyroxin weit überflügelt.
Es zeigte sich nämlich, dass die zusätzliche Gabe von Jod zu Levothyroxin einen deutlich besseren Effekt auf eine Strumarückbildung hat. Denn neben der Verminderung der TSH-Ausschüttung (durch Einnahme von Levothyroxin) ist auch der Jodmangel in der Schilddrüse als mindest ebenso wichtiger Parameter bei der Strumaentstehung erkannt. Somit ist der gleichzeitige Ausgleich des Jodmangels durch Einnahme von Jodid ebenso entscheidend.

Präparate:

· Jodthyrox (100 µg Levothyroxin plus 100 µg Jod)
· Thyreocomb N ( 70 µg Levothyroxin plus 115 µg Jod)
· Thyronajod 50, 75, 100, 125 ( ... µg Levothyroxin plus jeweils 150 µg Jod.)


Indikationen: Vor allem bei der euthyreoten Struma bei Patienten bis zum 40. Lebensjahr. Erst danach nimmt die Autonomie zu, bei der mit der Gabe von Jod Vorsicht geboten ist.

Behandlung mit Thyreostatika

Es wurde einleitend bemerkt, dass es bei der medikamentösen Therapie zwei Kategorien von Präparaten gibt. Diejenigen, mit denen man "Gas gibt", haben wir jetzt kennen gelernt. Die Kategorie, mit der man "auf die Bremse tritt", betrifft die Thyreostatika (Thyreoidea = Schilddrüse; statika = zum Stehen bringen),
Da diese Medikamente ausschließlich bei der Hyperthyreose (Schilddrüsenüberfunktion) eingesetzt werden, werden sie unter diesem Kapitel abgehandelt.


"Alternative" medikamentöse Therapie.

· Für den Thyreoidologen (Wissenschaftler, der sich speziell mit der Schilddrüse beschäftigt) ist es oft unmöglich, die Aussagen in der alternativen Fachliteratur nachzuvollziehen. Das liegt an anderem Vokabular, ungewohnten Theorien und besonders daran, dass alternative Mediziner oft nicht nur die „schul“medizinische Therapie ablehnen, sondern auch deren diagnostische Verfahren. Wenn aber die Diagnose nicht überprüfbar ist, lassen sich unterschiedliche Therapieformen nicht vergleichen.

· Die von Neuraltherapeuten empfohlenen Injektionen von Lokalanästhetika in die Schilddrüse bringt bei "echten" Schilddrüsenerkrankungen keinen (schulmedizinisch) nachweisbaren positiven Effekt.

· Die Homöopathie hält - oft in Verdünnungen, die kein Molekül enthalten - Mittel vor, die beispielsweise getrockneten Schwamm (Badiaga), Badeschwamm (Spongia), die Gesteinsart Gneis (Lapis albus) und Quecksilber (Mercuris solubilis) enthalten. Daneben gibt es zahlreiche "Komplexmittel", die als homöopathische Fertigarzneien erhältlich sind.

Von den pflanzlichen Inhaltsstoffen scheint Wolfstrappkraut (Lycopus europaeus) einigermassen untersucht. Es soll die Schilddrüsenhormonproduktion direkt in der Schilddrüse und durch Blockierung von TSH-Effekten drosseln. Daher wird es als Thyreostatikum eingesetzt. Meinung des Autors: Die Hyperthyreose ist ihm zu gefährlich, als dass er auf die erprobte rasche Wirksamkeit der schulmedizinisch üblichen Thyreostatika verzichten möchte. Und zur Behandlung der (euthyreoten) endemischen Struma erscheint ihm nichts "natürlicher" als das Schilddrüsenhormon Thyroxin, welches weniger eine "Fremdsubstanz" ist als etwa ein Badeschwamm. Und das in der Therapie oder Prophylaxe eingesetzte Jodid ist so natürlich wie das Jod der Meere, woher es stammt. Das Kapitel Schilddrüse ist damit kaum als Schlachtfeld geeignet, auf dem sich "Schulmedizin" und "alternative Medizin" feindliche, exemplarische Grundsatzattacken liefern könnten oder sollten.

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