Therapie
Chirurgische
Therapie
In einer besonderen
Disziplin ist Deutschland unumstrittener Weltmeister: im Operieren von Kröpfen.
Pro Jahr werden hierzulande etwa 90.000 Struma-Operationen durchgeführt.
Es gibt Schilddrüsenerkrankungen, bei denen eine "absolute Operationsindikation"
besteht:
· hoher Verdacht auf eine bösartige Schilddrüsenveränderung
("Malignitätsverdacht)
· bei Erfolglosigkeit nichtoperativer Methoden, etwa bei Einengung
der Luftröhre durch eine Struma oder bei Hyperthyreose.
Eine "relative Operationsindikation" besteht, wenn eine Krankheit mehrere Behandlungsmethoden alternativ zulässt, aus verschiedenen Gründen jedoch der Operation der Vorzug gegeben wird.
Daneben richtet sich die Indikationsstellung auch nach der Situation des Patienten. Eine Grundschullehrerin könnte kaum noch ihren Beruf ausüben, wenn sie eine Stimmbandlähmung mit bleibender Heiserkeit und leiser Stimme als seltene Komplikation einer Operation erleiden würde.
Die OP-Narbe ist kaum ein Problem, vor allem bei minimal invasiver Operationstechnik.
Es gibt standardisierte, bewährte Operationsmethode. Besonderheiten wird der Operateur im Aufklärungsgespräch mit dem Patienten ausreichend erörtern.
Bei einer Schilddrüsenautonomie strebt man eine "funktionskritische Resektion" an, also eine möglichst selektive Entfernung des kranken Schilddrüsengewebes unter möglichst weitgehender Schonung der gesunden Anteile.
Die immunogene Hyperthyreose, bei der die gesamte Schilddrüse erkrankt ist, erfordert eine ausgedehnte Resektion mit Belassen eines kleinen Restes von nicht mehr als 4 bis 6 Gramm ("Subtotale Thyreoidektomie"). Andernfalls kommt es leicht zu Hyperthyreose-Rezidiven.
Beim endemischen Kropf ("euthyreote Struma") ergibt sich die Notwendigkeit einer Operation vor allem dann, wenn die Struma die Halsorgane (Luftröhre) beeinträchtigt.
Komplikationsmöglichkeiten:
· Bleibende
Lähmung eines Stimmbandnerven (Recurrensparese): etwa in 1- 2 % aller
Struma-Operationen. Eine vorübergehende Stimmbandnervlähmung ist
etwas häufiger.
· Tetanie: Die ungewollt vollständige Entfernung der Nebenschilddrüsen
führt zum Ausfall der Parathormonproduktion mit schweren Störungen
im Kalziumstoffwechsel und Muskelkrämpfen. Sehr selten.
· Ein
Narkoserisiko ist sehr niedrig anzusetzen. Eine ausführliche Untersuchung
vor der OP trägt mit zur Risikoverminderung bei.
Rezidivprophylaxe:
Nach einer Schilddrüsenoperation ist in den meisten Fällen eine
Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen erforderlich,
um einem erneuten Strumawachstum vorzubeugen ("Rezidivprophylaxe").
Denn die Operation beseitigt "nur" den Kropf, nicht aber dessen
Ursache. Nach Verkleinerung der "Fabrik" Schilddrüse wird die
Produktion von Schilddrüsenhormonen noch schlechter gelingen als vor
der Operation, und daher ist ein Ersatz durch Substitutionstherapie mit Schilddrüsenhormonen
erst recht erforderlich.
Nehmen Sie eine ärztliche Empfehlung, nach der Operation Schilddrüsenhormone
einzunehmen (meist lebenslang), unbedingt ernst. Natürlich nur, falls
Sie ein paar Jahre später ein Wiedersehen mit Ihrem Operateur vermeiden
wollen.